Rückblick: 6 Monate City-Management Altdorf
Spoiler: Viele Tausend Euro für wenig…

Seit August 2017 arbeitet das neue City-Management der Stadt Altdorf. Nach sechs Monaten ist es Zeit für einen kleinen Rückblick. Was ist in diesen Monaten passiert? Viel mitbekommen hat man als Bürger leider nicht. Deswegen habe ich nachgefragt…

Vorweg möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich selbst für diese Aufgabe beworben hatte. Nach einem mehrmonatigen Auswahlverfahren im ersten Halbjahr 2017 war ich zwar unter ca. 20 Bewerbern in der Runde der letzten drei und durfte mich und meine Idee für das City-Management im Altdorfer Stadtrat vorstellen. Der entschied sich dann aber für das Büro „Karpfenland Aischgrund e.V.“ aus Höchstadt an der Aisch und dessen Mitarbeiter Thomas Oppelt als neuen Citymanager.

Bei meiner Recherche zur Arbeit des City-Managements, das mir sehr am Herzen liegt, da die Aufgabe „Steigerung der Attraktivität der Altdorfer Innenstadt“ aus meiner Sicht sehr interessant und auch sehr nötig ist, wurde mir von Mitgliedern des Stadtrats allerdings geraten, hier lieber nicht nachzufragen bzw. zu berichten. Das sähe nach „Nachkarteln“ und schlechtem Verlieren aus. Da mir dieses Thema aber trotzdem wichtig ist, nehme ich dieses Risiko gern in Kauf…

Citymanager Thomas Oppelt (mitte) mit Bürgermeisteramtsleiterin Doris Walke und Bürgermeister Erich Odörfer. Quelle: Stadtblick Altdorf 09/2017

 

Eine Anfrage bei der Stadt nach einem veröffentlichten Tätigkeitsbericht des Citymanagers (wie in anderen Städten durchaus üblich) ergab, dass zwar Tätigkeitsdokumentationen vorliegen, diese aber nicht für jedermann einsehbar sind (warum eigentlich nicht?). Ich solle den Citymanager Thomas Oppelt selbst fragen. Das habe ich Mitte Januar getan und dabei erfahren, dass das einzige realisierte Projekt bis heute die Durchführung eines Unternehmerfrühstücks im Dezember war. Eine gelungene Veranstaltung, ich war selbst da und berichtete auch darüber. Bis dahin war Thomas Oppelt mit der Einarbeitung in die hiesige Situation beschäftigt. Als nächstes Projekt wurde ein „Workshop für Schaufensterdekoration“ angekündigt, allerdings ist auch da bis heute nichts Konkretes passiert. Auch das (aus meiner Sicht katastrophale) Portal inaltdorf.de (ein Projekt des vorhergehenden City-Managements) sollte verbessert werden, was bis jetzt nicht geschah.

Bleibt am Ende das Unternehmerfrühstück, für das ich (wohlwollend) einen Organisationsaufwand von insgesamt 10 Stunden ansetzen würde. Allerdings arbeitet das City-Management 15 Stunden pro Woche, davon (nur?) zwei Stunden im Büro in Altdorf im Kulturrathaus. Das sind seit August ca. 405 Stunden (6 Monate x 4,5 Wochen/Monat x 15 Stunden). Bei einem angenommenen Stundensatz von 50,00 Euro sind das 20.250 Euro. Selbst wenn man diesen Stundensatz reduziert und evtl. wegen Krankheit, Urlaub, etc. weniger Stunden geleistet bzw. berechnet wurden, liegt der Aufwand mit Sicherheit über 10.000 Euro. Wie groß die Attraktivitätssteigerung der Altdorfer Innenstadt dadurch war, lässt sich nur schwer beziffern. Ich vermute aber sie geht gegen Null.

Fazit

Viel Geld für nichts. Dabei wäre so viel möglich! Natürlich muss das unsägliche Portal inaltdorf.de komplett verbessert werden, im aktuellen Stand ist es eine Negativ-Werbung für unsere Stadt (besonders schlimm finde ich die Startseite auf dem Handy, das mehr als 90% der Menschen für solche Zwecke nutzen). Der sehr gelungene Einkaufsführer, der vor einigen Jahren vom ersten City-Management erstellt wurde, sollte dringend neu aufgelegt werden. Und man muss auch viel weiter denken. Einer meiner Vorschläge war z.B. die Altdorf City Card, der Bericht darüber wurde bei Facebook so oft geliked und geteilt wie sonst nur wenige Beiträge in Altdorf. Und auch die Facebookseite der Stadt Altdorf selbst wäre ein wichtiges Kommunikations-Mittel, der letzte Beitrag hier ist allerdings vom 27.11.2016 (nein, kein Tippfehler!!!). Ein Stadtmarketing wie es immer mehr Städte -auch in der Größe Altdorfs- professionell betreiben, ist bei uns nicht mal existent. Und was ist mit den Projektgruppen aus Bürgern, Gewerbe und Verwaltung? Nichts. Es gäbe also wirklich viel zu verbessern…

Christian Lamprecht

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