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Marktplatzgeflüster März ’26: Vor dem Zauber ist nach dem Zauber

Evas bunte Welt…

Wenn ich die zartrosa Blüten der Magnolie das erste Mal erblicke, hüpft mein Herz kurz und die Frühlingszeit beginnt für mich. Die Sonne hat bereits ein paar Wochen vorher ihre Strahlkraft erhöht, was einen schon ahnen lässt, was kurz vor der Tür steht. Die ersten Zitronenfalter schwirren umher. Der Frühling ist da, das erste Eis wird verspeist, die ersten Male tagsüber ohne Jacke rausgehen, die Zeitumstellung, die einen abends den Weg nach Hause noch im Tageslicht finden lässt. Ein bisschen mehr Leichtigkeit und Leben ist überall zu sehen und zu spüren. 

Als ich die Liebe zur Magnolie vor ein paar Jahren entdeckt habe, habe ich ernüchternd feststellen müssen, dass diese Liebe nur von kurzer Dauer ist. Nachdem man gefühlt erst vor einer Atemsekunde mit der Frühlingsfreude angefangen hat, fallen bereits die ersten schon welken Magnolienblätter gen Boden. Jedes Mal macht mich das traurig. Ich versuche noch schnell den Zauber aller Magnolienbäume Altdorfs aufzusaugen, bevor sie uns wieder ganz verlassen. Warum habe ich mir gerade diese Kurzblüher als Lieblingsbaum ausgesucht? Mist! 

Wenn ich so darüber nachdenke, ist genau das, das Schöne – die Dynamik der Natur. Alles im Wandel, ständig, sicher. Das Gute ist, dass nach jedem Verblühen, ob kurz oder lang, immer etwas Neues erscheint. So wie die Hobbits es lieben, dass etwas wächst, liebe ich es auch. Aber noch viel mehr liebe ich es, dass wir Dinge beim Wachsen zusehen können, beim Verwelken, beim Ruhen, beim wieder erblühen. Wie beim Phönix in Harry Potter. Aus der Asche schlüpft immer ein neuer Phönix. Alles kommt irgendwie auf eine andere Art und Weise immer wieder zu uns zurück. Als ich das für mich erkannt habe, war die Trauer gar nicht mehr so groß. Und gerade, weil ich weiß, dass die Magnolie jedes Jahr nur kurz zaubert, genieße ich diese Momente umso bewusster.

Genauso sollte man es auch mit anderen Dingen des Lebens machen. Ihr kennt das sicherlich alle. Man sitzt mit Herzensmenschen zusammen und denkt sich, möge dieser Moment nie enden. Man möchte die Zeit packen und sie mit aller Gewalt anhalten. Wenn man den Raum um sich versucht ganz bewusst wahrzunehmen, ist es manchmal fast so, als würde die Zeit kurz stehen bleiben und ein gewisses Knistern im Raum fühlbar sein, fast so als könnte man es Flimmern sehen und die Zauberstreifen, die im Raum schweben, greifen können. Man möchte einfach, dass dieser besondere Moment nie endet. Genau dann, versuche ich mir immer einen innerlichen „Screenshot“ des Moments zu machen. Diesen möchte ich konservieren, mit allen Sinnen. Aber ich weiß auch, dass wenn der eine Moment verzogen ist, ich das Glück habe, Menschen an meiner Seite zu haben, mit denen nach diesem Moment, der nächste bereits ums Eck wartet. Also kann ich beruhigt einfach den Moment im Hier und Jetzt genießen. Der Nächste folgt, ganz gewiss.

Kennt ihr den Begriff Glimmer? Diesen Begriff habe ich vor ein paar Monaten kennengelernt. Es handelt sich um gerade die kleinen Momente im Alltag, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern, ganz unerwartet, wenn man so den Weg dahinschlendert. Einem kurz den Atem rauben und innehalten und die Schönheit der Welt erblicken lassen. Ich möchte mir immer die Zeit nehmen, solchen Zauber sehen zu können, kurz stehenzubleiben und zu bewundern, wie die kleine Blume ihren Weg durch den Asphalt meistert.

Diese Momente, die einem geschenkt werden, ob es ein einzigartiger Tag ist, eine Freundschaft, die nur für kurze Zeit bestimmt war, ein Urlaub, die eine Tasse Kaffee auf der Marktplatzbank, man sollte alles in vollen Zügen sehen und genießen. Denn was wäre das Leben denn, wenn wir nur unsere ToDo-Liste abhaken und von einem zum nächsten Zauber hetzen, ohne die Zauberei wirklich zu erleben?

Eines ist auf jeden Fall gewiss, der nächste Zauber liegt schon in der Luft, während der eine gerade am Verblassen ist. Nachdem wir genossen haben, können wir die Trauer mit ein wenig Vorfreude auf den nächsten Zauber austauschen und ihn mit ruhigem Gewissen ziehen lassen. Der Zauber geht ja weiter und kommt wieder! 

Ich leg mal den Stift weg und genieße es in meinem roten Ohrensessel zu sitzen, dem Duett von Ella Fitzgerald und Louis Armstrong zu lauschen und freue mich auf das nächste Erdbeereis im Frühlingszauber am Marktplatz. 

 Eure Eva

Post Skriptum:
Auf dem Bild sieht man den Kleinen meiner besten Freundin. Wir haben schon oft am Marktplatz ein Eis genossen. Er denkt mittlerweile, dass ich über der Eisdiele wohne^^ Hmm, waren wir vielleicht ein wenig zu oft Eis essen? Ich glaube nicht. Ich werde mich, bis ich steinalt bin, an diese wunderschönen Momente mit ihm am Marktplatz erinnern und er hoffentlich auch. Auf die Frage, welches Eis er essen will, als sie mal ohne mich Eis schlemmen waren, antwortete er: „Er will Evas Lieblingssorte essen.“ Das hat mein Herz schon sehr gefreut! <3

Post Skriptum 2:
Wenn ihr euch fragt, was ich neben Kolumne, Lesen am Tresen und dem Eis essen noch so mache. Am 23.04.2026 trete ich mit meinem ersten Soloprogramm: Eine Vielzahl von Ichs im KOHO auf. Tickets gibt’s beim Boten und online bei Eventim.

Ich freue mich euch dort zu sehen ☺


Eva Mikeska lebt in der Stadt, die sie liebt: in Altdorf b. Nürnberg. Außerdem liebt sie das Schreiben und das Lesen und veröffentlicht hier großartigerweise ihre Kolumne Marktplatzgeflüster.

Ihr erreicht sie bei Ideen, Anregungen und Fragen unter hallo@evamikeska.de und bei Instagram.

Eva Mikeska
Eva Mikeska (Foto: Antje Wiech)

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