Evas bunte Welt…
Das Wort Heimat hat in mir lange Zeit sehr konträre Gefühle ausgelöst. Die Entfernung, die zwischen meiner Wahlheimatstadt und meiner eigentlichen Heimat lag, quälten mich oft. Auch wenn ich es mir dort gemütlich gemacht, mir ein Leben aufgebaut hatte, Freundschaften schloss, die Stadt zu meiner machte, hatte ich doch immer diese tiefe Sehnsucht in mir nach Zuhause, nach meiner Familie, meinen Freunden, Altdorf, dem wunderschönen Marktplatz.
Eine gute Freundin sagte einmal zu mir, dass es so schön für sie sei, da sie überall dort Zuhause ist, wo ihre Freunde wohnen und das schön sei, an so vielen Orten Heimat zu finden. Ja, das stimmt schon irgendwie, aber was heißt Heimat eigentlich? Ist es alla Brockhaus der „Ort, in dem man geboren wurde und die ersten Sozialisationserfahrungen machte“? Oder doch ganz banal eine bestimmte „Gegend oder ein Land“? Nach was sehnte ich mich damals und was macht es jetzt aus, wieder zurück in meiner Heimat Altdorf zu sein?
Während ich dies schreibe, sitze ich an einem Ort, dessen Ruf viele Bürger Altdorfs folgen. Es ist Abend, bereits dunkel. Die Sterne strahlen über das Pfaffental hinweg. Auf dem Weg dorthin, lief ich über den Marktplatz, der durch die laue Sommernacht belebt wirkte. Ich streifte am Wallensteinhaus vorbei. Weiter vorne bei der Adria sind auch noch die Lichter an, ich grüßte, bestellte Pizza für den Pizza-Sonntag vor und lief weiter Richtung Natur. Der frische Italienduft trägt mich durchs obere Tor hindurch. Nach den zwei Weihern, den Stimmenpegel und den romantischen Lichter des Anker-Biergartens, bog ich links ab. Es fühlte sich so an, als würde mich das Tal rufen. Ich folgte!
Die mir so vertraute Kirchglocke konnte ich noch hören, als sie die die volle Stunde läutete. Ich beschloss ohne Musik in den Ohren weiterzugehen, mich ganz auf meine Umgebung, meine Heimat zu konzentrieren und nahm meine Kopfhörer raus. Meine Füße trugen mich ganz automatisch, wie früher in meiner Jugend und auch jetzt wieder, an den Ort, der wohl einer der beliebtesten ist, wenn man eine kurze Auszeit in der Natur sucht. Mit diesem Ort sind so viele Erinnerungen verknüpft. Schlitten fahren mit der Schule und Freunden, die erste heimliche Party unter der Autobahnbrücke, endlose Spaziergänge, rumfletzen im Gras, Gedanken streifen lassen, während man einfach auf dem Bänkchen sitzt.
Während ich den Kiesweg im Mondschein nach unten ging, konnte ich die Grillen hören und leises Gelächter aus der Ferne. Ich vernahm den Geruch des nahen Waldes und roch noch ein wenig Grillgut. Selbst die eigentlich so störende A3 erweckte in mir Glücksgefühle. Ich saß da auf der Bank und durchstreifte im Gedanken die verschiedensten Erinnerungen meiner 20er. Bilder von der vollen SpoBa, die man am Wochenende so selbstverständlich aufsuchte, weil man wusste, dass das Treffpunkt aller war, zauberten mir ein schmunzeln ins Gesicht. Der Geruch von frischgebackenen Brötchen ebenfalls. Denn manchmal, wenn man die Nacht zum Tag machte, holte man sich am Hintereingang, froh darüber, dass der Bäcker so spät oder eher so früh die Tür öffnete, frische Brötchen fürs Frühstück und für den Heimweg, noch ein Sauleckeres, noch warmes Schinkenkäsecroissant auf die Hand. Einfach herrlich. Diese langen Nächte gehören mittlerweile eher der Vergangenheit an. Man wird ja nicht jünger. Die Freundschaften, welche man seit jeher pflegt, dafür umso älter!
Gerade diese alten Freundschaften machen es – Heimat – für mich auch aus. Wie schön ist es, noch spontan zu einer Grillfeier ums Eck zu radeln und mit seinen vertrauten Lieben einen schönen Abend in Erinnerung schwelgend, aber auch neue kreierend, verbringen zu können? Oder sich nach Feierabend mit den Ladies im Ross zum feinen Essen zu verabreden, danach noch auf eines (☺) ins Burschi, dem RATS, den Anker oder gleich ins Pub zu gehen?! Oder sich beim Gukki zum Frühstücken zu treffen, dass dann definitiv viel zu lange dauert? Oder sich mit einem Coffee to go vom Bock in der Rosenau mit der besten Freundin und ihrem Kleinen zu verabreden? Oder sich mit dem Sonntagsbraten und Geschichten von früher von der Oma verwöhnen zu lassen? Ich glaube ich könnte hier eine endlose Liste aufschreiben. Das unterlasse ich hier mal und komme zum Punkt.
Ich habe oft gesagt, als ich weg war, ich komme aus Altdorf, ich ‚blute‘ Altdorf. Auch wenn es komisch klingt, damit wollte ich mein Heimatsgefühl immer noch bestärken. Zeigen, dass ich es ernst meine, mit dieser Altdorf-Liebe!
Seitdem ich wieder hier bin, fühle ich mich wieder ganz. Hier läuft das Leben ursprünglicher, man ist verbundener. Mein innerer Puls entspricht irgendwie genau dem des äußeren. Eine perfekte Balance. Altdorf hat für mich genau das richtige Tempo, um zur Ruhe zu kommen, aber auch das Leben in vollen Zügen genießen zu können.
Wenn ich ‚Magafo‘ laufe, auf dem Weg zu meiner Oma, bemüht pünktlich zu sein, muss sie schon immer lachen, wenn sie mir die Tür öffnet, weil ich dann doch hier und da mal zu spät eintrudle. Da wirft sie mir meist die Frage entgegen, wen ich denn alles wieder beim ‚Magafolaufen‘ getroffen habe.
Man kennt sich hier. Man achtet aufeinander und ja, getratscht wird auch, aber das ist halt einfach mal so. Ich staune immer wieder, wenn ich Neuigkeiten über mich erfahre, die ich selbst noch nicht kannte. Altdorf, immer up to date. Wie praktisch!
Aber es wird eben auch zusammengehalten. Ich bin auch darüber immer wieder erstaunt, wie jeder immer alles weiß, und welche Hilfsangebote ich schon oft bekommen habe. Also was ist Heimat für mich?
Altdorf ist für mich nicht nur eine Stadt, nein, eher ein Gefühl!
Ein Gefühl von Freiheit und Verbundenheit zugleich!
Was ist Altdorf für Dich?
Für den vollen Heimat-Genuss lohnt es sich, das ganze Video anzusehen 😀
https://www.youtube.com/watch?v=-Da5hifpze0
Post Scriptum: Vielleicht sehe ich, wenn ich doch mal wieder die Nacht zum Tag mache, nach, ob die Hintertür des Bäckers immer noch auf Klopfen öffnet und hole mir ein warmes frisches sauleckeres Schinkenkäsecroissant. Ich bin neugierig ob das noch funktioniert 😀
Eva Mikeska lebt in der Stadt, die sie liebt: in Altdorf b. Nürnberg. Außerdem liebt sie das Schreiben und das Lesen und veröffentlicht hier großartigerweise ihre Kolumne Marktplatzgeflüster.
Ihr erreicht sie bei Ideen, Anregungen und Fragen unter hallo@evamikeska.de und bei Instagram.


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