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Marktplatzgeflüster Dezember ’25: Müll, geht uns alle an – Oder Friede, Freude Schampus im Glas

Evas bunte Welt…

Ich bediene jetzt mal das absolute Klischee und schreibe im Dezember, der Zeit der Nächstenliebe, über die Liebe und den Frieden. Meistens beginnt ja alles durch die Liebe zweier Menschen. Wenn wir Glück haben, kommen wir auf diese Welt und werden in Liebe willkommen geheißen, liebend durchs Leben getragen, dürfen lieben und geliebt aus dieser Welt gehen. 

„Alles, was man tut, vergeht eines Tages wieder, ich weiß. Und von der Stunde an, wo man geboren wird, fängt man schon an zu sterben. Aber zwischen Geburt und Tod liegt doch eben das Leben.“ – Simone de Beauvoir –

Eigentlich wollte ich über Müll schreiben. Ja, richtig, über Müll kann man so einiges schreiben. Die letzten Wochen ist allerdings viel passiert, was mich noch einmal hat umschwenken lassen. Da mich die Müllgedanken sonst ewig festhalten werden, wenn ich sie nicht loswerden kann, möchte ich diese dennoch in zwei Sätzen abhandeln. (Ja, ich kann mich auch kurz fassen^^)

Müll geht uns alle an. Man sollte seinen Müll wegwerfen und nicht einfach auf den Boden liegen lassen. Und noch dazu kann man doch einfach ab und an mal etwas aufheben und wegschmeißen, auch wenn man es nicht dorthin geworfen hat. So, nun zum wahrscheinlich wichtigeren Thema.

Liebe begegnet uns im Leben an jeder Ecke. Daneben kreisen noch so viele andere Emotionen, welche uns fordern, zu wachsen. Wenn wir es schaffen, ihnen immer wieder den Wert zu rauben. Nimm das Wut, hier ein Hieb Neid, geh fort Unmut! Wenn wir es schaffen, sie kleiner zu stellen als die positiven Gefühle, dürfen wir durch die Liebe getragen in Freiheit und Frieden gelangen. Ich weiß, all das klingt jetzt hochromantisch und überkitschig und noch dazu, als leide ich an einem Verdrängungsmodus. Das tue ich nicht. Alla Hermann Hesse, man solle sein Leid lieben, sehe ich mir meine Gefühlswelt schon sehr genau an, suche den Grund des Negativen, versuche es zu lösen und entscheide mich bewusst für die positive Perspektive auf die Dinge.

Kurz vor Weihnachten hing eine Girlande am Marktplatz vor dem Kulturrathaus, die ich mir genauer ansah. An dieser Girlande hingen laminierte Zettel der Kinderfeuerwehr-Füchse mit Wünschen für Weihnachten. Neben „Frohe Weihnachten“, „Glück“, ein „schönes neues Jahr“ war ein Wunsch Spitzenreiter: „Frieden“. Das blieb irgendwie hängen. So sehr, dass ich lieber darüber schreiben mag, als über Müll und dass uns der Müll, der auf der Straße liegt, alle etwas angeht. So geht uns der Frieden auch alle etwas an. Kein Mensch ist ja von Geburt an böse oder gut. Es sind unsere Entscheidungen, welche ins Negative oder Positive gehen. Manchmal, wenn ich über die Bösen dieser Welt nachdenke, mich versuche, in ihre Lage zu versetzen und ihre Perspektive einzunehmen, kann ich mir kaum vorstellen, dass sie sich im tiefsten Inneren nicht eigentlich wie die meisten Menschen, nach Liebe und Frieden sehnen. 

„Wenn du den Menschen auf der anderen Seite der Welt nicht kennst, liebe ihn trotzdem, denn er ist genau wie du. Er hat dieselben Träume, dieselben Hoffnungen und Ängste. Es ist eine Welt, mein Freund. Wir sind alle Nachbarn.“ – Frank Sinatra  –

Was genau verbindet uns Menschen?

Durch meine langjährige Arbeit an einer Sprachschule, durfte ich von einer multinationalen Umgebung profitieren. Aberwitzige Situationen gelangen durch die kulturellen Unterschiede an die Oberfläche. Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, was uns Menschen, egal woher wir kommen, verbindet. Für mich ist es die Liebe. Wem das zu kitschig klingt, kann das Wort auch durch gesehen werden ersetzen. Jeder möchte doch geliebt werden und lieben dürfen. Oder nicht? Das ist doch das Urbedürfnis von uns allen. Das verbindet uns Menschen. Wir wollen gesehen werden. Kinder können das noch ganz klar kommunizieren. „Schau mal, ich schlage ein Rad.“, oder: „Guck doch endlich, ich kann auf einem Bein stehen.“ Kinder sagen geradeheraus, was sie wollen. Welches Bedürfnis sie haben. Wir verlernen das irgendwann. Es ist auch manchmal wirklich schwer, seine Bedürfnisse klar zu äußern. Vor allem, wenn sie im großen Gegensatz zu dem des Gegenübers stehen. Liebe und Frieden, auch das sind Facetten des Lebens, sehr schöne, wie ich finde, vielleicht die schönsten. Sehen wir uns einmal die Kinder an. Streben diese nach dem (Welt)Frieden, sprechen aus, was sie wirklich denken, auch wenn es manchmal unpassend erscheint. Ich finde, wir sollten uns davon alle etwas abschneiden.  

Ich habe selbst gerade eine solche Situation durchlebt. Letztendlich habe ich mich entschieden, trotz Differenzen mein Ego über Bord zu werfen. Ich habe durch Liebe zu mir und der anderen Person, Liebe zum Leben und innere Friedenssehnsucht losgelassen. Losgelassen von Wut, Unmut, Vergangenem. In dem Moment, in dem ich dies beschloss, fühlte ich mich bereits leichter. Mein Herz löste sich von der Schwere, die es anscheinend schon länger umschlossen hatte. Ich konnte wieder leichter atmen, merkte die innere Ruhe und Zufriedenheit. Und vielleicht fängt genau da der Weg zu dem utopischen Gedanken an den Weltfrieden an. Bei dem inneren Frieden in jedem von uns. 

Wenn ich mich in letzter Zeit so umhöre, wird viel geschimpft. Über die gesellschaftspolitische Situation. Den Nachbarn und seinen lauten Rasenmäher, über die steigenden Preise und vieles mehr. Alles doof, ja. Auf den verschiedenen sozialen Plattformen wird mir immer wieder eine Challenge angezeigt.  Sieben Tage nicht schimpfen. Ich muss darüber schon immer schmunzeln. Ich bin durchaus ein sehr positiver Mensch und versuche immer, in jeder Situation meinen Blick aufs Positive zu lenken. Aber natürlich kann ich schon auch vor mich hin schimpfen. Und das ist auch okay. Manchmal merke ich aber selbst, wie ich ins Negative abschweife und letztendlich am allermeisten mir selbst, meinem inneren Frieden schade. 

Kurz vor Weihnachten kam mir ein Satz häufiger entgegen, wenn ich etwas bekommen habe oder Menschen einander einen Gefallen gemacht haben: „Ach, es ist doch Weihnachten. Das habe ich gern gemacht.“ Sind wir nur an Weihnachten freundlich zueinander? 

Ich habe mir mal das Jahr 2025 angesehen. So viele Momente der Nächstenliebe, des friedlichen Beisammenseins durfte ich hautnah erleben oder beobachten. Also ich glaube nein, wir Menschen haben das friedliche Miteinander nicht verlernt. Manchmal verlernt man im ganzen Trubel, den Blick mehr auf das Positive zu richten. Seine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, um Streitigkeiten vorzubeugen und gesehen zu werden. Weniger zu schimpfen und stattdessen die schönen Momente bewusster wahrzunehmen. Sich auf den inneren Frieden zu konzentrieren. Manchmal schwer, ich weiß, aber vielleicht ist es genau diese Sehnsucht nach Frieden, die die Kinder unter uns so zahlreich auf ihre Weihnachtswünsche geschrieben haben. Und wenn ein jeder ein klein wenig mehr inneren Frieden und Liebe findet, sind wir dem Weltfrieden schon ein ganzes Stück näher. 

Vielleicht probiere ich doch mal die Sieben-Tage-nicht-schimpfen-Challenge aus, wer macht mit? 

Heute um Mitternacht erhebe ich auf jeden Fall mein Glas Schampus und stoße auf uns an. Ich wünsche mir, dir und uns allen: Frieden und Liebe <3

Danke für das Jahr 2025, es war mir ein Fest. Danke an euch für das fleißige Lesen meiner Kolumne und für die lieben und konstruktiven Gedanken zu meinem Geschriebenen. 

Kommt gut ins neue Jahr 2026 rüber.

 Eure Eva

Post Skriptum:
Seit einiger Zeit bin ich auf meinem Arbeitsweg an Fliesen vorbeigelaufen. Erst dachte ich noch, die holt derjenige, welcher sie verloren hat, bestimmt noch. Die guten, nicht kaputten waren auch irgendwann weg. Ein Scherbenhaufen blieb zurück. Jedes Mal, wenn ich vorbeilief, fiel mir selbst ein Grund ein, wieso das nichts mit mir zu tun hat. Räumt schon jemand weg. Muss ja nicht immer ich machen. Sind ja nicht meine Scherben usw. 

Doch irgendwann stoppte ich mich. Immer wieder fällt man selbst in eine Art Doppelmoral. Ich mag es ganz und gar nicht, wenn man unsere Umwelt verschmutzt, und dennoch vergehen zwei Wochen, in denen ich an diesem Haufen vorbeigelaufen bin. Ich lasse das jetzt mal so stehen. 
Irgendwann hat es mich dann gepackt. Ich möchte meine Werte, welche mir wichtig sind, auch immer mehr wirklich leben und nicht nur predigen. So sammelte ich die Scherben auf. Es dauerte keine fünf Minuten, schon blieben die ersten stehen, boten mir ihre Hilfe an und ich hatte sehr schöne Gespräche. Schön zu sehen, dass Menschen vielleicht manchmal Müll übersehen, aber einen Menschen, der Hilfe braucht, nicht. Das erfreut mein Herz!

Post Skriptum 2:
Das mit dem Müllaufheben könnten wir doch alle in Verbindung mit dem nicht Schimpfen mal üben und unseren Silvestermüll gleich einsammeln. Ist ja schließlich Neujahr und da hat man doch immer gute Vorsätze 😉


Eva Mikeska lebt in der Stadt, die sie liebt: in Altdorf b. Nürnberg. Außerdem liebt sie das Schreiben und das Lesen und veröffentlicht hier großartigerweise ihre Kolumne Marktplatzgeflüster.

Ihr erreicht sie bei Ideen, Anregungen und Fragen unter hallo@evamikeska.de und bei Instagram.

Eva Mikeska
Eva Mikeska (Foto: Antje Wiech)

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