Theater kann Suchtprävention

28. November 2011 - Die Redaktion, Kategorien: featured,Kultur,Theater
Alkohol

Alkohol – ein Problem? Diese Frage sollte für die Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe des Leibniz-Gymnasiums aktuell werden. Warum?

Die Fachschaft Deutsch und das Suchtpräventionsteam (Supra) des Altdorfer Gymnasiums engagierten gemeinsam den „Weimarer Kulturexpress“ für das Drama „Alkohol“ für zwei Aufführungen am Gymnasium. Während die Botschaft von Eltern- und Lehrerseite vielleicht wenig wirkungsvoll in den Ohren der Schüler verhallt wäre, glückte es den zwei jungen Schauspielern Rosa Jansen und Henrik Hänel, Absolventen der Schauspielschule Berlin-Charlottenburg, die Jugendlichen aufmerksam zu machen.

Das Stück von Patric Tavanti erzählt mit Witz und Humor die Geschichte von Steffi und Stefan. Der junge Mann sehnt sich nach Anerkennung und Freiheit. Er sucht sich selbst zwischen der übergroßen Liebe seiner Mutter, seinem strengen Vater und der Ablehnung seiner Schulkameraden, die ihn für ein Muttersöhnchen halten. Seine Freundin Steffi muss früh erwachsen werden und für ihr Leben selbst verantwortlich sein. Sie sehnt sich nach Leichtigkeit, Geborgenheit und Liebe.

Alkohol wird für die beiden zunächst ein Motor für Freiheit und Lebenslust; damit fliehen sie aus der Schule und entkommen dem Erwartungsdruck. Was als feucht-fröhlicher Spaß mit Partys und Kumpels anfängt, wird schnell Ernst. Steffi sucht schließlich einen Ausweg, doch am Ende ist der Alkohol stärker. Das Stück endet tragisch, das Ende aber bleibt offen.

Trotz spartanischer Ausstattung und weniger Requisiten, aber mit ungeheurer Bühnenpräsenz gelang es den beiden Akteuren, die Leibniz-Schüler für 70 Minuten in ihren Bann zu ziehen und die Aufmerksamkeit und Neugierde für eine Gesprächsrunde von weiteren 40 Minuten zu bündeln. Das Schauspiel und die Diskussion dienten dazu, die Schüler für das Problem Alkohol und Koma-Saufen zu sensibilisieren. Die Gratwanderung zwischen Rolle und eigener Identität wurde von den beiden dabei mit Leichtigkeit gelöst. So erreichten sie Authentizität und Glaubwürdigkeit mit dem Anliegen, Alkoholgenuss in Maßen zu akzeptieren, aber Alkoholmissbrauch auf keinen Fall zu bagatellisieren.

 

Text: Sabine Stamminger, Christof Böhm

Foto: Christof Böhm